Regionalgruppe "Afroamerika" in der DGV

„Afroamerika“ ist keine Region im geographischen Sinn, sondern bezieht sich auf die sozialen und kulturellen Verbindungslinien sowie die wechselseitigen Transformationsprozesse, die im Zuge von Wanderungsbewegungen zwischen Afrika und der so gebannten Neuen Welt entstanden sind und sich weiterentwickeln. Heute leben in allen Teilen der Amerikas afroamerikanische Bevölkerungsgruppen, wobei sie in manchen Ländern, wie jenen der Karibik, aber auch in Brasilien oder den USA, besonders stark vertreten sind. Der Bezug zu Afrika kann beispielsweise daraus erwachsen, dass die Vorfahren der heutigen Afroamerikaner von dort als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden und dass in der Gegenwart auch bei den Nachkommen, u.a. aufgrund von rassenspezifischen Ethnisierungsprozessen, Afrika eine entscheidende Größe in der Identitätenbildung darstellt. Bei anderen afroamerikanischen Gruppen wiederum stellt Afrika eine utopische Größe in der Gestaltung kollektiven Bewusstseins dar. Und bei wieder anderen stehen reale Rückkehrbewegungen und ein dialogischer Austausch mit Afrikanern im Vordergrund.

Von Anfang an war die Afroamerika-Forschung transnational ausgerichtet, indem sie zum einen nach afrikanischen Ursprüngen und Transformationen in den amerikanischen Kulturen suchte und zum anderen auch vergleichende Forschungen an verschiedenen Orten dies- und jenseits des Atlantik durchgeführt wurden.

Unter dem Dach der Regionalgruppe „Afroamerika“ treffen sich seit einigen Jahren deutschsprachige EthnologInnen und KulturwissenschaftlerInnen, die sich wissenschaftlich aus einer gegenwartsorientierten Perspektive mit der Geschichte, Kultur und Gesellschaft sowie heutigen Wanderungsbewegungen und Vernetzungsprozessen von afroamerikanischen Bevölkerungsgruppen beschäftigen.

Die RG Afroamerika ist offen für alle, die sich mit Themen, die Afromerika betreffen, befassen wollen. Falls Sie sich interessieren und gerne über laufende Aktivitäten informiert werden wollen, wenden Sie sich bitte an die Sprecherinnen.

Die Sprecherinnen der Regionalgruppe sind:

Dr. Heike Drotbohm

Dr. Claudia Rauhut